14. Dezember 2015 12:38 von Felix Guder (Kommentare: 0)

Indaba - Eine afrikanische Verhandlungsmethode rettet die Welt

Man reibt sich die Augen. Ist es wirklich möglich, dass sich fast 200 Regierungen zu einem Katalog zum Klimaschutz durchgerungen haben? Kann es bei solch komplexen Vorhaben überhaupt eine Einigung geben? 

 

Ob das entstandene Dokument nun wirklich die Welt rettet, muss sich erst noch zeigen. Fest steht aber, dass die Verhandlungen zu einem unerwarteten Erfolg geführt haben. Und dieser Erfolg basiert wohl auch auf der klugen Auswahl der Verhandlungstools. Im Zentrum steht dabei die Indaba, eine ritualisierte Methode aus Afrika, die innerhalb der Stammesgesellschaften seit Jahrhunderten funktioniert. Im Kern basiert die Methode auf mehreren Treffen, die vor allem die unüberwindbaren Gegensätze (die roten Linien) als Eckpunkte für eine gemeinsame Lösung akzeptiert. Es werden also nicht die Standpunkte ausgetauscht, sondern ganz gezielt die gravierendsten Probleme angesprochen. In einer zweiten Stufe müssen dann die Teilnehmer mit den gegensätzlichsten Positionen in moderierten Einzelgesprächen sich gegenseitig ihre Position erörtern. Dieser Prozess ist davon geprägt, den Kontext der gegenteiligen Position zu verstehen. Es geht nicht um Überzeugung. In diesen Einzelgesprächen moderiert ein möglichst fremder Teilnehmer der Konferenz. Er nimmt die Rolle des unbeteiligten Gastes oder Schlichters ein. Auch diese Methode basiert auf einer alten Methode, unbeteiligte Gäste in die Lösung von Problemen der Stammesgesellschaft zu integrieren. Bei dieser Verhandlung geht es nicht um die Neutralität des Schlichters, sondern vor allem darum, die Hintergründe der gegensätzlichen Positionen zu verstehen und allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben sich gegenseitig zuzuhören.

 

Je nach Verlauf ist es möglich den Spielraum für das Gesamtergebnis in diesen Einzelgesprächen zu erweitern. Es geht also nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern im Gegenteil um das Abstecken des möglichen Spielraumes. Damit eignet sich Indaba als Tool für die gemeinsame Suche nach Lösungen. Beispielsweise bei Fusionen und strategischen Allianzen, aber auch für die Erarbeitung von richtungsweisenden Entscheidungen. Darum sollte die Technik einer Indaba im Unternehmensalltag bereitstehen. Dass die Methode in ihrer Natur zusätzlich die Empathie fördert und viel Spass macht, sollte dazu motivieren - auch wenn man nicht die Welt retten muss.

 

Ein Link zum Ablauf der Verhandlungen und eine kurze Schilderung der Agenda:

https://unfccc.int/meetings/paris_nov_2015/in-session/items/9320.php

 

Ein Bericht vom tatsächlichen Ablauf:

http://www.rappler.com/rappler-blogs/115718-cop21-indaba-solutions-laurent-fabius

 

 

 

 

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